Kopienbau eines Clavecin Roïal

Bei diesem Instrument handelt es sich um ein großes deutsches Tafelklavier mit fünf Oktaven (FF-g3), mit einer speziellen Stoßmechanik mit Auslösung, die anders funktioniert als die bekanntere englische Stoßmechanik. Die Klangerzeugung geschieht durch unbelederte Holzhämmerchen in dreieckiger Form. Der doppelte Saitenbezug ist in seiner Grundeinstellung ungedämpft und erst durch das Betätigen eines Kniehebels können die Dämpfer eingeschaltet werden. Mit einem zweiten Kniehebel lässt sich ein Harfenregister einschalten (ein Rahmen, an dessen Vorderseite Stofffransen befestigt sind, wird von oben den Saiten genähert). Ein dritter Kniehebel betätigt den Moderatorzug (kleine Lederstreifen werden zwischen Saiten und Hämmer geschoben) und ein vierter einen sogenannten Schweller. (Über dem Resonanzboden gibt es einen leichten mit Seide bespannten Papprahmen, der angehoben werden kann und mit dem man einen Crescendo- und Decrescendo-Effekt erzielen kann).

Die Gehäuse der erhaltenen Clavecin Roïals sind sehr schön und aufwändig gearbeitete Möbelstücke, verziert mit Einlegearbeiten und schönen Scharnieren, die Oberfläche auf Hochglanz poliert. Im Bachhaus in Eisenach ist ein Clavecin Roïal von 1788 erhalten, welches in gewöhnlicher Clavichord-Tradition mit einem Eichengehäuse und sichtbaren Schwalbenschwanzverbindungen gebaut wurde. Dieses Instrument bildet die Vorlage für die entstehende Kopie.

Der Name Clavecin Roïal wurde dem Instrument durch den Dresdner Instrumentenbauer Johann Gottlob Wagner gegeben (1741–1789). Er hatte seine Werkstatt in Dresden zusammen mit seinem jüngeren Bruder Christian Salomon (1754–c.1800), der nach seinem Tod die Werkstatt weiterführte.

Wagner veröffentlichte erstmals 1775 eine Beschreibung dieses Instrumentes, welche 1779 auch in Johann Nicolaus Forkels Musikalisch-Kritischer Bibliothek abgedruckt wurde.

"Es ist zwar bereits im vorigen Jahre ein kurz Avertissement von einem, von Endesbenannten, neu erfundenen musikalischen Instrumente, dem einer der größten jetzt lebenden Tonkünstler [C. P. E. Bach?] den Namen Clavecin Roïal beygeleget hat […] Statt der Kiele und meßingen Tangenten werden die Töne der verschiedenen Züge oder Register, deren sechse in allem sind, durch hölzerne Hämmerchen hervorgebracht […] Ist er [Musikverständige] geschickt im Selbsterfinden, reich an eigenen Gedanken, und weiß dieses Nachhalten der Bässe kunstmäßig zu nutzen, so wird er dem Ohre die angenehmsten Harmonien vorzutragen im Stande seyn […]”

Carl Philipp Emanuel Bach bezieht sich auf das Instrument in seinem 1762 erschienenen zweiten Teil des Lehrwerkes Die wahre Art das Clavier zu spielen:

„Das ungedämpfte Register des Fortepiano ist das angenemhste, und, wenn man die nöthige Behutsamkeit wegen des Nachklingens anzuwenden weiß, das reizendeste zum Fantasiren.“

Aus CPE Bachs Nachlassverzeichnis wissen wir, dass er ein Clavecin Roïal von dem in Gera ansässigen und damals berühmten Instrumentenbauer Friederici besessen hat, von dem sich leider kein Clavecin Roïal erhalten hat.

Ein Fortepiano oder Clavecin Roial vom alten Friederici, von Eichenholz und schönem Ton.”

Das Clavecin Roïal wurde bis ungefähr 1796 in großen Stückzahlen gebaut. Es ist für die Aufführung der Musik des späten 18. Jahrhunderts von herausragender Bedeutung und spielte als wichtiger Vertreter des deutschen Tafelklavieres, zusammen mit Johannes Zumpes englischem Tafelklavier, eine wichtige Rolle in der Klaviergeschichte.

Jüngste Forschungen auf dem Gebiet wurden von Michael Latcham, Michael Cole, Sabine Klaus und Pablo Gómez Ábalos durchgeführt. Pablo Gómez Ábalos ist der Auftraggeber des Projektes, welches von der spanischen Stiftung "2017 Leonardo Grant for Researchers and Cultural Creators, BBVA Foundation (Spain)" unterstützt wird.

Die Stoßmechanik eines "Clavecin Roïal"

Die Kopie entsteht

Clavecin Roïal J.G. Wagner, Dresden 1787, Schloss Pillnitz Dresden

Clavecin Roïal J.G. Wagner, Dresden 1788, Musikinstrumenten-Museum Berlin

Clavecin Roïal J.G. Wagner, Dresden 1788, Bachhaus Eisenach