Der Bau eines Clavecin Roïal

Bei diesem Instrument handelt es sich um ein großes deutsches Tafelklavier mit einem fünf Oktaven Umfang (FF-g3). Es hat eine spezielle Stoßmechanik mit Auslösung, die anders funktioniert als die bekanntere englische Stoßmechanik. Das Clavecin Roïal wurde bis ungefähr 1796 in großen Stückzahlen gebaut. Es ist für die Aufführung der Musik des späten 18. Jahrhunderts von herausragender Bedeutung und spielte als wichtiger Vertreter des deutschen Tafelklavieres, zusammen mit Johannes Zumpes englischem Tafelklavier, eine wichtige Rolle in der Klaviergeschichte.

Die Klangerzeugung geschieht durch unbelederte Holzhämmerchen in dreieckiger Form. Der doppelte Saitenbezug ist in seiner Grundeinstellung ungedämpft und erst durch das Betätigen eines Kniehebels können die Dämpfer eingeschaltet werden. Mit einem zweiten Kniehebel lässt sich ein Harfenregister einschalten (ein Rahmen, an dessen Vorderseite Stofffransen befestigt sind, wird von oben auf die Saiten gedrückt). Ein dritter Kniehebel betätigt den Moderatorzug (kleine Lederstreifen werden zwischen Saiten und Hämmer geschoben) und ein vierter einen sogenannten Schweller. (Über dem Resonanzboden gibt es einen mit Seide bespannten Papprahmen, der angehoben werden kann und mit dem man einen Crescendo- und Decrescendo-Effekt erzielen kann).

Die überlieferten Exemplare (nicht mehr als ungefähr 18 auf der ganzen Welt) sind alle sehr schön und aufwändig gearbeitete Möbelstücke, verziert mit Einlegearbeiten und schönen Scharnieren, die Oberfläche poliert. Fast alle erhaltenen Instrumente sind in nicht spielbarem Zustand.

Der Name Clavecin Roïal wurde dem Instrument durch den Dresdner Instrumentenbauer Johann Gottlob Wagner gegeben (1741–1789). Er hatte seine Werkstatt in Dresden zusammen mit seinem jüngeren Bruder Christian Salomon (1754–c.1800), der nach seinem Tod die Werkstatt weiterführte.

Wagner veröffentlichte erstmals 1775 eine Beschreibung dieses Instrumentes, welche 1779 auch in Johann Nicolaus Forkels Musikalisch-Kritischer Bibliothek abgedruckt wurde.

Es ist zwar bereits im vorigen Jahre ein kurz Avertissement von einem, von Endesbenannten, neu erfundenen musikalischen Instrumente, dem einer der größten jetzt lebenden Tonkünstler [C. P. E. Bach?] den Namen Clavecin Roïal beygeleget hat […] Statt der Kiele und meßingen Tangenten werden die Töne der verschiedenen Züge oder Register, deren sechse in allem sind, durch hölzerne Hämmerchen hervorgebracht […] Ist er [Musikverständige] geschickt im Selbsterfinden, reich an eigenen Gedanken, und weiß dieses Nachhalten der Bässe kunstmäßig zu nutzen, so wird er dem Ohre die angenehmsten Harmonien vorzutragen im Stande seyn […]

Obwohl Wagner sich als Erfinder des Instruments ausgibt, kann das angezweifelt werden. Aus C.P.E Bachs Nachlassverzeichnis wissen wir, dass er ein Clavecin Roïal von dem in Gera ansässigen und damals berühmten Instrumentenbauer Friederici besessen hat, von dem sich leider kein Clavecin Roïal erhalten hat. Auch hat sich im Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz ein Clavecin Roïal von Johann Gottlob Horn aus dem Jahre 1786 erhalten. Außerdem gibt es einige andere nicht signierte und nicht datierte Exemplare.

Da keines der erhaltenen Clavecin Roïals in vollkommen originalem Zustand erhalten ist, war für die Kopie die Untersuchung mehrerer Instrumente nötig. Das Hauptinstrument bildete das Clavecin Roïal von Johann Gottlob Wagner aus dem Jahre 1788 im Musikinstrumenten-Museum in Berlin. Dank der Unterstützung der Direktorin Conny Restle und der Restauratorin Sabine Hoffmann, war es möglich, die komplexe Hammermechanik komplett auseinanderzubauen, zu fotografieren und zu vermessen. Dieses Instrument ist auch eines der wenigen mit historischen Drahtnummern, welches wichtige Informationen für die Besaitung gab.

Clavecin Roïals haben keine Öffnungen im Damm, weshalb der Zugang zur Innenkonstruktion erschwert ist. Für die Kopie dienten Fotos von der Restaurierung des Wagner Clavecin Roïal von 1974 in Berlin und von einem weiteren Wagner Clavecin Roïal im Bach-Haus in Eisenach, welches 1984 restauriert wurde, als Vorlage. Die Resonanzbodenstärken basieren auf Maße des sehr zestörten originalen Resonanzbodens in Eisenach, welcher während der Restaurierung erneuert wurde.

Fast alle erhaltenen Clavecin Roïals haben furnierte Gehäuse. Es gibt ein paar wenige, die im traditionellen Clavichord-Stil mit Eichengehäuse und sichtbaren Schwalbenschwanzverbindungen gebaut sind. Das im Bach-Haus in Eisenach erhaltene Clavecin Roïal, gebaut von Johann Gottlob Wagner im Jahre 1788, ist eines von diesen. Dieser Stil scheint laut Wagners Veröffentlichung das Basismodell gewesen zu sein und es wurde auch für die Kopie gewählt. Da das originale Gestell in in Eisenach nicht erhalten ist, diente als Vorlage das in Pillnitz erhaltene Horn-Clavecin Roïal.

Drei der vier Register und die Kniehebel sind mit dem Clavecin Roïal in the Berlin in originalem Zustand überliefert. Der Schweller-Mechanismus sowie das Notenpult wurden vom Clavecin Roïal von Jean Theophile Wagner von 1783 im St Annen-Museum in Lübeck kopiert.

Die Kopie

Clavecin Roïal J.G. Wagner, Dresden 1788, Musikinstrumenten-Museum Berlin

Clavecin Roïal J.G. Wagner, Dresden 1788, Bachhaus Eisenach

Clavecin Roïal J.G. Wagner, Dresden 1783, St. Annen-Museum Lübeck

Die Stoßmechanik eines "Clavecin Roïal"